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Das Evangelium nach Thomas (Thomas-Evangelium)

Nach der koptischen Übersetzung, die 1945 bei Nag Hammadi gefunden wurde.

Dies sind die geheimen Worte, die Jesus, der Lebendige, sprach und die Didymus Judas Thomas niederschrieb.

 

1. Und er sprach: „Wer die Bedeutung dieser Worte findet, wird den Tod nicht schmecken.“

 

2. Jesus sprach: „Wer sucht, soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet; und wenn er findet, wird er erschrocken sein; und wenn er erschrocken ist, wird er verwundert sein, und er wird über das All herrschen.“

 

3. Jesus sprach: „Wenn die, die euch führen, euch sagen: „Seht, das Königreich ist im Himmel, so werden die Vögel des Himmels euch vorangehen. Wenn sie euch sagen: es ist im Meer, so werden die Fische euch vorangehen. Aber das Königreich ist in eurem Inneren, und es ist außerhalb von euch. Wenn ihr euch erkennen werdet, dann werdet ihr erkannt, und ihr werdet wissen, dass ihr die Söhne des lebendigen Vaters seid. Aber wenn ihr euch nicht erkennt, dann seid ihr in der Armut, und ihr seid die Armut.“

 

4. Jesus sprach: „Der alte Mensch wird nicht zögern, ein kleines Kind von sieben Tagen zu fragen nach dem Ort des Lebens, und er wird leben. Denn viele Erste werden Letzte werden, und sie werden ein einziger werden.“

 

5. Jesus sprach: „Erkenne, was vor dir ist, und das was vor dir verborgen ist, wird dir enthüllt werden. Denn es gibt nichts Verborgenes, was nicht offenbar werden wird.“

 

6. Seine Jünger fragten ihn und sprachen zu ihm: „Willst du, dass wir fasten? Und wie sollen wir beten und Almosen geben? Und von welchen Speisen sollen wir uns fernhalten?“ Jesus sprach: „Lügt nicht, und, was ihr hasst, das tut nicht; denn alles ist offenbar im Angesicht des Himmels. Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar wird, und es gibt nichts Verborgenes, das bleibt, ohne enthüllt zu werden.“

 

7. Jesus sprach: „Selig ist der Löwe, den der Mensch isst, und der Löwe wird Mensch werden. Und verflucht sei der Mensch, den der Löwe frisst, und der Löwe wird Mensch werden.“

 

8. Und er sprach: „Der Mensch gleicht einem weisen Fischer, der sein Netz ins Meer warf. Er zog es aus dem Meer voll von kleinen Fischen; unter ihnen fand er einen großen, schönen Fisch, der weise Fischer. Er warf alle kleinen Fische zurück ins Meer und wählte den großen Fisch ohne Bedenken. Wer Ohren hat zu hören, der höre!“

 

9. Jesus sprach: „Siehe, da ging ein Sämann hinaus, füllte seine Hand und warf die Samen. Ein Teil davon fiel auf den Weg, die Vögel kamen, sie aufzusammeln. Andere fielen auf den Felsen, und sie schlugen keine Wurzeln in der Erde und brachten keine Ähren hervor zum Himmel. Und andere fielen auf die Dornen, sie erstickten die Saat, und der Wurm fraß sie. Und andere fielen auf die gute Erde, und sie brachte gute Frucht hervor; sie brachte sechzig Maß und hundertzwanzig Maß.“

 

10. Jesus sprach: „Ich habe ein Feuer auf die Welt geworfen, und siehe, ich bewache es, bis es brennt.“

 

11. Jesus sprach: „Dieser Himmel wird vergehen, und der über ihm wird vergehen. Und die Toten sind nicht lebendig, und die Lebendigen werden nicht sterben. In den Tagen, in denen ihr aßet von dem, was tot ist, machtet ihr daraus, was lebendig ist. Wenn ihr im Licht sein werdet, was werdet ihr tun? An dem Tag, als ihr eins wart, seid ihr zwei geworden. Aber wenn ihr zwei werdet, was werdet ihr tun?“

 

12. Die Jünger sprachen zu Jesus: „Wir wissen, dass du uns verlassen wirst. Wer ist es, der groß über uns werden soll?“ Jesus sprach zu ihnen: „Wo auch immer ihr herkommt, geht zu Jakob, dem Gerechten, dessentwegen Himmel und Erde entstanden sind.“

 

13. Jesus sprach zu seinen Jüngern: „Vergleicht mich, sagt mir, wem ich gleiche.“ Simon Petrus sprach zu ihm: „Du gleichst einem gerechten Engel.“ Matthäus sprach zu ihm: „Du gleichst einem weisen Philosophen.“ Thomas sprach zu ihm: „Meister, mein Mund ist völlig unfähig auszusprechen, wem du gleichst.“ Jesus sprach: „Ich bin nicht dein Meister. Da du getrunken hast, bist du trunken geworden von der sprudelnden Quelle, die ich hervorströmen ließ.“ Und er nahm ihn und zog sich zurück und sagte ihm drei Worte. Als Thomas aber zu seinen Gefährten zurückkehrte, fragten sie ihn: „Was hat dir Jesus gesagt?“ Thomas sprach zu ihnen: „Wenn ich euch eines der Worte sage, die er mir gesagt hat, werdet ihr Steine nehmen und sie nach mir werfen, und ein Feuer wird aus den Steinen hervorkommen und euch verbrennen.“

 

14. Jesus sprach zu ihnen: „Wenn ihr fastet, werdet ihr euch eine Sünde erschaffen; und wenn ihr betet, werdet ihr verurteilt werden; und wenn ihr Almosen gebt, werdet ihr an euren Geistern Schlechtes tun. Wenn ihr in irgendein Land geht und in den Gebieten wandert, wenn man euch aufnimmt, dann esst, was man euch vorsetzt, und heilt die Kranken unter ihnen. Denn das, was in euren Mund hineingeht, wird euch nicht verunreinigen. Aber das, was euren Mund verlässt, das ist es, was euch verunreinigen wird.“

 

15.  Jesus sprach: „Wenn ihr den seht, der nicht aus der Frau geboren ist, werft euch auf euer Antlitz und verehrt ihn, dieser ist euer Vater.“

 

16. Jesus sprach: „Die Menschen denken wohl, dass ich gekommen bin, um Frieden auf die Welt zu bringen. Und sie wissen nicht, dass ich gekommen bin, um Zerwürfnisse auf die Erde zu bringen, Feuer, Schwert, Krieg. Denn es werden sein in einem Hause fünf: drei werden gegen zwei und zwei gegen drei sein, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater. Und sie werden allein dastehen.“

 

17. Jesus sprach: „Ich werde euch geben, was kein Auge gesehen und was kein Ohr gehört und was keine Hand berührt hat und was nicht im menschlichen Sinne aufgekommen ist.“

 

18. Die Jünger sprachen zu Jesus: „Sage uns, wie unser Ende sein wird.“ Jesus sprach: „Habt ihr denn schon den Anfang entdeckt, dass ihr nach dem Ende fragt? Denn dort, wo der Anfang ist, dort wird auch das Ende sein. Selig, wer am Anfang stehen wird, und er wird das Ende erkennen und den Tod nicht schmecken.“

 

19. Jesus sprach: „Selig ist, wer war, ehe er wurde. Wenn ihr meine Jünger werdet und meine Worte hört, werden euch diese Steine dienen. Denn ihr habt fünf Bäume im Paradies, die von Sommer und Winter unberührt bleiben, und deren Blätter nicht abfallen. Wer sie erkennt, wird den Tod nicht schmecken.“

 

20. Die Jünger sprachen zu Jesus: „Sage uns, was dem Himmelreich gleicht.“ Er sprach zu ihnen: „Es gleicht einem Senfkorn, dem kleinsten aller Samen. Wenn es aber auf beackerte Erde fällt, bringt es einen großen Zweig hervor und wird zum Schutz für die Vögel des Himmels.“

 

21. Maria sprach zu Jesus: „Wem gleichen deine Jünger?“ Er sprach: „Sie gleichen kleinen Kindern, die sich auf einem Feld niedergelassen haben, das ihnen nicht gehört. Wenn die Besitzer des Feldes kommen, werden sie sagen: Gebt uns unser Feld zurück. Sie entkleiden sich vor ihnen, damit sie es ihnen überlassen und ihnen ihr Feld zurückgeben. Deswegen sage ich: Wenn der Herr des Hauses weiß, dass der Dieb kommen wird, wird er wachen, ehe er kommt, und wird ihn nicht in das Haus seines Königreiches eindringen lassen, damit er seine Sachen fortträgt. Ihr aber, seit wachsam angesichts der Welt, gürtet eure Lenden mit großer Kraft, damit die Räuber keinen Weg finden, zu euch zu kommen. Denn der Mangel, den ihr erwartet, wird eintreten. Möge unter euch ein weiser Mann sein. Als die Frucht reifte, kam er schnell mit seiner Sichel in der Hand, und mähte sie. Wer Ohren hat zu hören, der höre.“

 

22. Jesus sah Kleine, die gesäugt wurden. Er sprach zu seinen Jüngern: „Diese Kleinen, die gesäugt werden, gleichen denen, die ins Königreich eingehen.“ Sie sprachen zu ihm: „Wenn wir also Kinder werden, werden wir in das Königreich eingehen?“ Jesus sprach zu ihnen: „Wenn ihr aus zwei eins macht und wenn ihr das Innere wie das Äußere macht und das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere und wenn ihr das Männliche und das Weibliche zu einem einzigen macht, so dass das Männliche nicht männlich und das Weibliche nicht weiblich ist, und wenn ihr Augen macht anstelle eines Auges und eine Hand anstelle einer Hand und einen Fuß anstelle eines Fußes, ein Bild anstelle eines Bildes, dann werdet ihr in das Königreich eingehen.“

 

23. Jesus sprach: „Ich werde euch auswählen, einen unter tausend und zwei unter zehntausend, und sie werden dastehen, als wären sie ein einziger.“

 

24. Seine Jünger sprachen: „Zeige uns den Ort, an dem du bist, da es notwendig ist für uns, dass wir ihn suchen.“ Er sprach zu ihnen: „Wer Ohren hat, der höre! Es ist Licht drinnen im Menschen des Lichts, und er erleuchtet die ganze Welt. Scheint er nicht, ist er Finsternis.“

 

25. Jesus sprach: „Liebe deinen Bruder wie deine Seele, bewache ihn wie deinen Augapfel.“

 

26. Jesus sprach: „Den Splitter im Auge deines Bruders siehst du, den Balken aber in deinem Auge siehst du nicht. Wenn du den Balken aus deinem Auge ziehst, dann wirst du sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen.“

 

27. Jesus sprach: „Wenn ihr euch nicht der Welt enthaltet, werdet ihr das Königreich nicht finden. Wenn ihr den Sabbat nicht als Sabbat beachtet, werdet ihr den Vater nicht sehen.“

 

28. Jesus sprach: „Ich stand in der Mitte der Welt und erschien ihnen im Fleisch. Ich fand sie alle trunken, ich fand keinen unter ihnen durstig. Und meine Seele war betrübt über die Söhne der Menschen, da sie blind in ihrem Herzen sind und nicht sehen; denn leer sind sie in die Welt gekommen und leer suchen sie, die Welt zu verlassen. Nun aber sind sie trunken. Wenn sie ihren Wein abschütteln, werden sie bereuen.“

 

29. Jesus sprach: „Wenn das Fleisch wegen des Geistes entstanden ist, ist es ein Wunder. Wenn jedoch der Geist wegen des Leibes entstanden ist, ist es ein Wunder der Wunder. Ich aber wundere mich darüber, wie dieser große Reichtum in dieser Armut gewohnt hat.“

 

30. Jesus sprach: „Wo drei Götter sind, sind es Götter; wo zwei oder einer ist, mit dem bin ich.“

 

31. Jesus sprach: „Kein Prophet wird in seinem Dorf angenommen, kein Arzt heilt die, die ihn kennen.“

 

32. Jesus sprach: „Eine Stadt, die auf einem hohen Berg gebaut und befestigt ist, kann nicht fallen, noch kann sie verborgen werden.“

 

33. Jesus sprach: „Das, was du mit deinem Ohr und mit dem anderen Ohr hörst, verkünde es von euren Dächern. Denn niemand zündet eine Lampe an, um sie unter einen Scheffel zu stellen, noch stellt er sie an einen verborgenen Ort, sondern er setzt sie auf den Leuchter, damit jeder, der eintritt und hinausgeht, ihr Licht sieht.“

 

34. Jesus sprach: „Wenn ein Blinder einen Blinden führt, fallen sie beide in eine Grube.“

 

35. Jesus sprach: „Es ist nicht möglich, dass jemand in das Haus des Starken eintritt und es mit Gewalt nimmt, es sei denn, er bände ihm die Hände; dann wird er sein Haus plündern.“

 

36. Jesus sprach: „Sorgt euch nicht von Morgen bis Abend und von Abend bis Morgen darum, was ihr anziehen werdet.“

 

37. Seine Jünger sprachen: „Wann wirst du uns offenbar werden, und wann werden wir dich sehen?“ Jesus sprach: „Wenn ihr euch entkleidet ohne Scham und eure Kleider nehmt und sie unter eure Füße legt wie die kleinen Kinder und auf sie tretet, dann werdet ihr den Sohn des Lebendigen sehen und ihr werdet euch nicht fürchten.“

 

38. Jesus sprach: „Oft habt ihr gewünscht, diese Worte zu hören, die ich euch sage, und ihr habt keinen anderen, von dem ihr sie hören könnt. Es werden Tage kommen, da ihr mich suchen und nicht finden werdet.“

 

39. Jesus sprach: „Die Pharisäer und die Schriftgelehrten haben die Schlüssel zur Erkenntnis empfangen und haben sie versteckt. Sie sind auch nicht eingetreten, und die, die eintreten wollten, ließen sie nicht eintreten. Ihr aber, seid klug wie die Schlangen und unschuldig wie die Tauben.“

 

40. Jesus sprach: „Ein Weinstock ist gepflanzt worden außerhalb des Vaters, und da er nicht befestigt ist, wird er mit seiner Wurzel ausgerissen werden und verdorben.“

 

41. Jesus sprach: „Wer in seiner Hand hat, dem wird gegeben werden. Und wer nicht hat, dem wird auch das Wenige, das er hat, genommen werden.“

 

42. Jesus sprach: „Seid Vorübergehende!“

 

43. Seine Jünger sprachen zu ihm: „Wer bist du, der du uns diese Dinge sagst?“ Jesus sprach zu ihnen: „Aus dem, was ich euch sage, erkennt ihr nicht, wer ich bin? Aber ihr seid wie die Juden geworden: denn sie lieben den Baum und hassen seine Frucht, und sie lieben die Frucht und hassen den Baum.“

 

44. Jesus sprach: „Wer den Vater lästert, dem wird verziehen werden, und wer den Sohn lästert, dem wird verziehen werden; wer aber den Heiligen Geist lästert, dem wird nicht verziehen werden, weder auf Erden noch im Himmel.“

 

45. Jesus sprach: „Trauben werden nicht von Dornensträuchern geerntet, noch werden Feigen von Weißdornsträuchern gepflückt, denn sie geben keine Frucht. Ein guter Mensch bringt Gutes aus seinem Schatz hervor. Ein böser Mensch bringt Böses aus seinem Schatz hervor, der in seinem Herzen ist, und er spricht Böses, denn aus der Überfülle des Herzens bringt er Böses hervor.“ 


46. Jesus sprach: „Von Adam bis Johannes dem Täufer gibt es unter den Kindern der Frauen n keinen Höheren als Johannes der Täufer, dass seine Augen nicht vor ihm niedergeschlagen werden sollen. Ich aber habe gesagt: Wer von euch klein wird, wird das Königreich erkennen und wird sogar über Johannes erhoben werden.“

 

47. Jesus sprach: „Es ist unmöglich, dass ein Mensch zwei Pferde besteigt, zwei Bogen spannt. Und es ist unmöglich, dass ein Diener zwei Herren dient, außer er wird den einen ehren und den anderen gering schätzen. Niemand trinkt alten Wein und wünscht sogleich, neuen Wein zu trinken. Und man gießt nicht neuen Wein in alte Schläuche, damit sie nicht verderben; noch gießt man alten Wein in einen neuen Schlauch, damit er ihn nicht verdirbt. Man näht nicht einen alten Flicken auf ein neues Gewand, denn es würde reißen.“

 

48. Jesus sprach: „Wenn zwei miteinander Frieden schließen in diesem einen Hause, werden sie zum Berg sagen: Bewege dich fort, und er wird sich fortbewegen.“

 

49. Jesus sprach: „Selig sind die Einsamen und Auserwählten, denn ihr werdet das Königreich finden, denn ihr seid daraus und dorthin werdet ihr zurückkehren.“

 

50. Jesus sprach: „Wenn sie zu euch sagen: ‚Woher kommt ihr?’, sagt zu ihnen: ‚Wir kommen aus dem Licht, wo das Licht aus sich selbst entstand und sich begründete, und sich in ihrem Bild offenbarte.’ Wenn sie zu euch sagen: ‚Wer seid ihr?’, sagt: ‚Wir sind seine Söhne, und wir sind die Auserwählten des lebendigen Vaters.’ Wenn sie euch fragen: ‚Welches ist das Zeichen eures Vaters in euch?’, sagt zu ihnen: ‚Es ist Bewegung und Ruhe.’“

 

51. Seine Jünger sprachen zu ihm: „Wann wird die Ruhe der Toten eintreten, und wann wird die neue Welt kommen?“ Er sprach zu ihnen: „Was ihr erwartet, ist eingetreten, aber ihr erkennt es nicht.“

 

52. Seine Jünger sprachen zu ihm: „Vierundzwanzig Propheten sprachen in Israel, und sie alle sprachen in dir.“ Er sprach zu ihnen: „Ihr habt den Lebendigen, der vor euch ist, ausgelassen und habt von den Toten gesprochen.“

 

53. Seine Jünger sprachen zu ihm: „Nützt die Beschneidung oder nicht?“ Er sprach zu ihnen: „Wenn sie nützte, würde ihr Vater sie beschnitten aus ihrer Mutter zeugen. Aber die wahre Beschneidung im Geiste hat vollen Nutzen gehabt.“

 

54. Jesus sprach: „Selig sind die Armen, denn euer ist das Himmelreich.“

 

55. Jesus sprach: „Wer seinen Vater und seine Mutter nicht hasst, kann nicht mein Jünger werden. Und wer nicht seine Brüder und seine Schwestern hasst und wer nicht sein Kreuz nimmt wie ich, wird meiner nicht würdig sein.“

 

56. Jesus sprach: „Wer die Welt erkannt hat, hat einen Leichnam gefunden; und wer einen Leichnam gefunden hat, ist der Welt überlegen.“

 

57. Jesus sprach: „Das Königreich des Vaters gleicht einem Menschen, der eine gute Saat hatte. Sein Feind kam des Nachts und säte Unkraut unter die gute Saat. Der Mensch erlaubte ihnen nicht, das Unkraut auszureißen. Er sprach zu ihnen: Damit ihr nicht geht, das Unkraut auszureißen, und den Weizen mit ihm ausreißt. Denn am Tag der Ernte wird das Unkraut sichtbar werden, und es wird ausgerissen und verbrannt werden.“

 

58. Jesus sprach: „Selig der Mensch, der gelitten hat, er hat das Leben gefunden.“

 

59. Jesus sprach: „Gebt acht auf den Lebendigen, solange ihr lebt, damit ihr nicht sterbt und versucht, ihn zu sehen. Ihr werdet ihn nicht sehen können.“

 

60. Sie sahen einen Samariter, der ein Lamm auf dem Weg nach Judäa trug. Er sprach zu seinen Jüngern: „Was will dieser Mann mit dem Lamm?“ Sie sprachen zu ihm: „Es schlachten und essen.“  Er sprach zu ihnen: „Solange es lebt, wird er es nicht essen, sondern nur, wenn er es geschlachtet hat und wenn es ein Leichnam ist.“ Sie sprachen: „Anders kann er es nicht tun.“ Er sprach zu ihnen: „Auch ihr, sucht einen Ort für euch zur Ruhe, damit ihr nicht ein Leichnam werdet und gegessen.“

 

61. Jesus sprach: „Zwei werden ruhen auf einem Bett, einer wird sterben, der andere wird leben.“ Salome sprach: „Wer bist du, Mensch, wessen Sohn? Du bist auf meine Liege gestiegen und hast an meinem Tisch gegessen?“ Jesus sprach zu ihr: „Ich bin der, der aus dem Ungeteilten ist; mir ist das, was meines Vaters ist, gegeben.“ Salome sprach: „Ich bin deine Jüngerin.“ Jesus sprach zu ihr: „Darum sage ich: wenn er gleich ist, wird er mit Licht gefüllt sein. Wenn er aber geteilt ist, wird er mit Dunkelheit gefüllt sein.“

 

62. Jesus sprach: „Ich sage meine Geheimnisse denen, die meiner Geheimnisse würdig sind. Was deine Rechte tut, soll deine Linke nicht wissen.“

 

63. Jesus sprach: „Es war ein reicher Mann, der viel Besitz hatte. Er sprach: Ich werde meine Vermögen benutzen, um zu säen, zu ernten, zu pflanzen, meine Speicher mit Frucht zu füllen, auf dass mir nichts fehle. Das war es, was in seinem Herzen dachte. Und in jener Nacht starb er. Wer Ohren hat, der höre.“

 

64. Jesus sprach: „Ein Mann hatte Gäste; und als er das Mahl zubereitet hatte, sandte er seinen Diener, damit er die Gäste einlädt. Er ging zum ersten und sprach zu ihm: Mein Herr lädt dich ein. Der sprach: Ich habe Geld bei Kaufleuten, sie werden heute Abend zu mir kommen, ich werde gehen und ihnen Anweisungen geben. Ich entschuldige mich für das Mahl. Er ging zu einem anderen und sprach zu ihm: Mein Herr hat dich eingeladen. Er sprach zu ihm: Ich habe ein Haus gekauft, und man verlangt für einen Tag nach mir. Ich werde keine Zeit haben. Er ging zu einem anderen und sprach zu ihm: Mein Herr lädt dich ein. Er sprach zu ihm: Mein Freund wird heiraten, und ich werde ein Mahl bereiten. Ich werde nicht kommen können. Ich entschuldige mich für das Mahl. Er ging zu einem anderen und sprach zu ihm: Mein Herr lädt dich ein. Er sprach zu ihm: Ich habe ein Gut gekauft und gehe, den Pachtzins zu erhalten. Ich werde nicht kommen können. Ich entschuldige mich. Der Diener ging und sprach zu seinem Herrn: Die du eingeladen hast zum Mahl, lassen sich entschuldigen. Der Herr sprach zu seinem Diener: Geh hinaus auf die Straßen, bringe die, die du findest, damit sie speisen. Die Geschäftsleute und Händler werden die Orte meines Vaters nicht betreten.“

 

65. Er sprach: „Ein rechtschaffener Mann hatte einen Weinberg. Er gab ihn Winzern, damit sie in ihn bearbeiteten und er die Frucht von ihnen erhielte. Er schickte seinen Diener, damit die Winzer ihm die Frucht des Weinbergs gaben. Sie ergriffen seinen Diener, schlugen ihn und hätten ihn fast erschlagen. Der Diener ging und sagte es seinem Herrn. Sein Herr sprach: Vielleicht hat er sie nicht erkannt. Er schickte einen anderen Diener und die Winzer schlugen auch diesen. Dann schickte der Herr seinen Sohn. Er sprach: Vielleicht werden sie Achtung vor meinem Sohn haben. Die Winzer, da sie erfuhren, dass er der Erbe des Weinbergs war, packten ihn und töteten ihn. Wer Ohren hat, der höre.“

 

66. Jesus sprach: „Zeigt mir den Stein, den die Bauleute verworfen haben: Er ist der Eckstein.“

 

67. Jesus sprach: „Wer die ganze Welt erkennt, sich selbst aber verfehlt, verfehlt das Ganze.“

 

68. Jesus sprach: „Selig seid ihr, wenn ihr gehasst und verfolgt werdet, und sie werden keinen Platz finden dort, wo man euch verfolgt hat.“

 

69. Jesus sprach: „Selig sind, die verfolgt worden sind in ihrem Herzen; diese sind es, die den Vater wahrhaft erkannt haben. Selig sind die Hungrigen, denn der Bauch dessen, der es wünscht, wird gefüllt werden.“

 

70. Jesus sprach: „Wenn ihr das hervorbringt in euch, wird das, was ihr habt, euch retten. Wenn ihr das nicht habt in euch, wird das, was ihr nicht habt in euch, euch töten.“

 

71. Jesus sprach: „Ich werde dieses Haus zerstören, und niemand wird in der Lage sein es aufzubauen.“

 

72. Ein Mann sprach zu ihm: „Sage meinen Brüdern, dass sie die Güter meines Vaters mit mir teilen sollen.“ Er sprach zu ihm: „O Mann, wer hat mich zu einem Teiler gemacht?“ Er wandte sich seinen Jüngern zu und sprach ihnen: „Bin ich denn ein Teiler?“

 

73. Jesus sprach: „Die Ernte ist zwar groß, der Arbeiter aber sind wenige. Bittet aber den Herrn, dass er Arbeiter sende für die Ernte.“

 

74. Er sprach: „Herr, es sind viele um den Brunnen, aber nichts ist in der Zisterne.“

 

75. Jesus sprach: „Viele stehen an der Tür, aber die Einsamen sind es, die in das Brautgemach eintreten werden.“

 

76. Jesus sprach: „Das Königreich des Vaters gleicht einem Kaufmann, der Ware hatte und eine Perle fand. Jener Kaufmann war weise. Er verkaufte die Ware und kaufte sich die Perle allein. Sucht auch ihr den zuverlässigen und dauerhaften Schatz, dort, wo keine Motte hinkommt, um zu fressen, und wo kein Wurm zerstört.“

 

77. Jesus sprach: „Ich bin das Licht, das über ihnen allen ist. Ich bin das All, das All ist aus mir hervorgegangen, und das All ist bis zu mir ausgedehnt. Spaltet ein Holz, ich bin da. Hebt den Stein auf, und ihr werdet mich dort finden.“

 

78. Jesus sprach: „Warum seid ihr ausgezogen in die Wüste? Um ein Schilfrohr im Winde schwanken zu sehen? Und um einen Menschen zu sehen, der weiche Kleider wie eure Könige und Vornehmen an hat? Sie haben weiche Kleider an, und sie können die Wahrheit nicht erkennen.“

 

79. Eine Frau aus der Menge sprach zu ihm: „Gesegnet ist der Schoß, der dich getragen hat, und die Brüste, die dich genährt haben.“ Er sprach zu ihr: „Gesegnet sind die, die das Wort des Vaters gehört haben und die es wahrhaft bewahrt haben. Denn es werden Tage kommen, da ihr sagen werdet: Gesegnet ist der Schoß, der nicht empfangen hat, und die Brüste, die nicht Milch gegeben haben.“

 

80. Jesus sprach: „Wer die Welt erkannt hat, hat den Leib gefunden. Aber wer den Leib gefunden hat, dessen ist die Welt nicht würdig.“

 

81. Jesus sprach: „Wer reich geworden ist, soll König sein, und wer die Macht besitzt, soll sie aufgeben.“

 

82. Jesus sprach: „Wer mir nahe ist, der ist dem Feuer nahe, und wer fern von mir ist, ist vom Königreich entfernt.“

 

83. Jesus sprach: „Die Bilder sind dem Menschen offenkundig, und das Licht in ihnen ist verborgen im Bilde des Lichtes des Vaters. Er wird sich offenbaren, und sein Bild ist verborgen durch sein Licht.“

 

84. Jesus sprach: „Wenn ihr eure Ebenbilder seht, freut ihr euch. Wenn ihr aber eure Bilder seht, die vor euch entstanden sind, die weder sterben noch sich offenbaren, wie viel werdet ihr dann ertragen?“

 

85. Jesus sprach: „Adam entstand aus einer großen Kraft und einem großen Reichtum, aber er wurde eurer nicht würdig; denn wenn er würdig geworden wäre, hätte er den Tod nicht geschmeckt.“

 

86 Jesus sprach: „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel haben ihre Nester. Der Sohn des Menschen aber hat keinen Ort, um sein Haupt hinzulegen und sich auszuruhen.“

 

87 Jesus sprach: „Elend ist der Leib, der von einem Leibe abhängt; und elend ist die Seele, die abhängt von diesen beiden.“

 

88. Jesus sprach: „Die Engel und die Propheten werden zu euch kommen, und sie werden euch geben, was euer ist. Und auch ihr, was in euren Händen ist, gebt es ihnen und sagt euch: Wann werden sie kommen und das ihre empfangen?“

 

89. Jesus sprach: „Warum wascht ihr das Äußere des Bechers? Versteht ihr nicht, dass der, der das Innere gemacht hat, auch der ist, der das Äußere gemacht hat?“

 

90. Jesus sprach: „Kommt zu mir, denn leicht ist mein Joch und meine Herrschaft ist mild, und ihr werdet Ruhe für euch finden.“

 

91. Sie sprachen zu ihm: „Sage uns, wer du bist, damit wir an dich glauben.“ Er sprach zu ihnen: „Ihr prüft das Antlitz des Himmels und der Erde, und den, der vor euch ist, habt ihr nicht erkannt, und dieses Gelegenheit  wisst ihr nicht zu prüfen?“

 

92. Jesus sprach: „Sucht, und ihr werdet finden. Aber worum ihr mich in jenen Tagen gefragt habt und was ich euch nicht sagte, jetzt will ich es sagen, und ihr fragt nicht danach.“

 

93. Jesus sprach: „Gebt nicht den Hunden, was heilig ist, damit sie es nicht auf den Misthaufen werfen. Werft die Perlen nicht vor die Schweine, damit sie sie nicht zu Dreck machen.“

 

94. Jesus sprach: „Wer sucht, wird finden; und wer klopft, dem wird geöffnet.“

 

95. Jesus sprach: „Wenn ihr Geld habt, verleiht es nicht mit Zins, sondern gebt dem, von dem ihr es nicht zurückerhalten werdet.“

 

96. Jesus sprach: „Das Königreich des Vaters gleicht einer Frau. Sie nahm ein wenig Sauerteig, verbarg ihn im Teig und machte große Brote daraus. Wer Ohren hat, der höre.“

 

97. Jesus sprach: „Das Königreich des Vaters gleicht einer Frau, die einen Krug voller Mehl trug. Während sie auf einem weiten Weg ging, brach der Henkel des Kruges, das Mehl rann hinter ihr auf den Weg. Sie bemerkte es nicht, sie hatte kein Unheil wahrgenommen. Als sie in ihr Haus kam, stellte sie den Krug nieder und fand ihn leer.“

 

98. Jesus sprach: „Das Königreich des Vaters gleicht einem Mann, der einen mächtigen Mann töten wollte. Er zog das Schwert in seinem Haus und stieß es in die Wand, um herauszufinden, ob seine Hand stark genug wäre. Dann tötete er den Mächtigen.“

 

99. Die Jünger sprachen zu ihm: „Deine Brüder und deine Mutter stehen draußen.“ Er sprach zu ihnen: „Diese hier, die den Willen meines Vaters tun, diese sind meine Brüder und meine Mutter, sie sind es, die ins Königreich meines Vaters eingehen werden.“

 

100. Sie zeigten Jesus eine Goldmünze und sprachen zu ihm: „Des  Kaiser Leute verlangen Steuern von uns.“ Er sprach zu ihnen: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Gebt Gott, was Gottes ist. Und was mein ist, gebt mir.“

 

101. Jesus sprach: „Wer seinen Vater nicht hasst und seine Mutter wie ich, kann nicht mein Jünger werden. Und wer seinen Vater nicht liebt und seine Mutter wie ich, kann nicht mein Jünger werden. Denn meine Mutter, meine wahre Mutter aber gab mir das Leben.“

 

102 Jesus sprach: „Wehe den Pharisäern, denn sie gleichen einem Hund, der im Futtertrog der Rinder liegt; denn weder frisst er, noch lässt er die Rinder fressen.“

 

103. Jesus sprach: „Selig der Mensch, der weiß, wanndie Diebe kommen werden, dass er aufstehe, seinen Besitz sammle und sich die Lenden gürte, ehe sie kommen.“

 

104. Sie sprachen zu Jesus: „Komm, lass uns heute beten und fasten.“ Jesus sprach: „Welches ist denn die Sünde, die ich begangen habe, oder worin bin ich besiegt worden? Aber wenn der Bräutigam das Brautgemach verlässt, dann lasst sie fasten und beten.“

 

105. Jesus sprach: „Wer den Vater und die Mutter kennt, kann der Sohn einer Hure genannt werden?“

 

106. Jesus sprach: „Wenn ihr aus zwei eins macht, werdet ihr Söhne des Menschen werden. Und wenn ihr sagt: Berg, bewege dich fort, wird er sich fortbewegen.“

 

107. Jesus sprach: „Das Königreich gleicht einem Hirten, der hundert Schafe hatte. Eines, von ihnen, das größte, verirrte sich. Er verließ die neunundneunzig und suchte nach dem einen, bis er es fand. Nachdem er sich so abgemüht hatte, sprach er zu dem Schaf: ich liebe dich mehr als die neunundneunzig.“

 

108. Jesus sprach: „Wer von meinem Mund trinkt, wird werden wie ich, und ich werde wie er, und die verborgenen Dinge werden sich ihm offenbaren.“

 

109. Jesus sprach: „Das Königreich gleicht einem Menschen, der in seinem Acker einen Schatz hatte, von dem er nichts wusste. Und als er gestorben war, hinterließ er ihn seinem Sohn, der davon nichts wusste. Er nahm diesen Acker und verkaufte ihn. Und der ihn gekauft hatte, ging pflügen und fand den Schatz. Er begann, Geld denen gegen Zins zu verleihen, die er wollte.“

 

110. Jesus sprach: „Wer die Welt gefunden hat und reich geworden ist, der soll auf die Welt verzichten.“

 

111. Jesus sprach: „Die Himmel und die Erde werden sich aufrollen in eurer Gegenwart, und der Lebendige, hervorgegangen aus dem Lebendigen, wird nicht Tod noch Furcht sehen. Denn Jesus sagt: Wer sich selbst findet, dessen ist die Welt nicht würdig.“

 

112. Jesus sprach: „Wehe dem Fleisch, das von der Seele abhängig ist; wehe der Seele, die vom Fleisch abhängig ist.“

 

113. Seine Jünger sprachen zu ihm: „Das Königreich, wann wird es kommen?“ Jesus sprach: „Es wird nicht kommen, indem man darauf wartet. Man wird nicht sagen: Seht, hier ist es, oder: Seht, dort ist es. Sondern das Königreich des Vaters ist ausgebreitet über die Erde, und die Menschen sehen es nicht.“

 

114. Simon Petrus sprach zu ihnen: „Maria soll von uns fortgehen, denn die Frauen sind des Lebens nicht würdig.“ Jesus sprach: „Seht, ich werde sie führen, um sie männlich zu machen, dass auch sie ein lebendiger Geist wird, der euch Männern gleicht. Denn jede Frau, die sich männlich macht, wird in das Königreich des Himmels eingehen.“