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Religionen: Die Rosenkreuzer

Artikel des A.O.R. Großmeisters - publiziert in "Lebens(t)räume"- Magazin für Gesundheit und Bewusstseins (CO MED, Fachverlag für Complementärmedizin), Ausgabe April 2007

Rosenkreuzer

Gerade in der heutigen Zeit scheinen Mysterienschulen und spirituelle Gemeinschaften einen  Aufschwung zu erleben. Wenn man jedoch die Geschichte der Mysterientradition betrachtet, so ist ersichtlich, dass die Mysterien in manchen Hochkulturen über Tausend Jahre einen wesentlicheren Teil, sogar den Mittelpunkt des Lebens darstellten. Eine dieser Mysterientraditionen, welche die Geschichte der modernen Esoterik maßgeblich beeinflusste, sind die Rosenkreuzer. Die meisten esoterischen Bewegungen, die im letzten Jahrhundert zu beobachten waren, standen direkt oder indirekt entweder mit Publikationen von Rosenkreuzern oder ihren Lehren in Verbindung. Als Gründer des Ordens der Rosenkreuzer wird Frater C.R. angesehen, der in dem Rosenkreuzer-Manifest Fama Fraternitas aus dem 17. Jahrhundert erwähnt wird und zwischen 1378-1484 gelebt haben soll. Diese gesellschaftskritische und reformatorische Publikation ist wie ein Gleichnis zu betrachten und stellt eher eine spirituelle Offenbarung dar, als die Biographie einer vermeintlichen Person. Kurz darauf erschien der mystische Roman "Die chymische Hochzeit", der die Initialen des symbolischen Gründers C.R. fälschlicherweise mit dem Namen Christian Rosenkreutz interpretierte.

Der Ursprung der Rosenkreuzer lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Wer nach den inneren Mysterien forschte, das über die damaligen offiziellen Lehrbücher hinausging, der hatte zu befürchten als Ketzer angeklagt zu werden und auf dem Scheiterhaufen zu landen. Die meisten Rosenkreuzer wirkten darum im Geheimen. Manche Ordensführer wurden gefoltert und gequält. Alchimistische Studien waren erst einmal Tabu, welche trotzdem betrieben wurden. Bereits im 14. Jahrhundert etablierten sich im Untergrund diverse Geheimgesellschaften, in denen alchimistische Studien praktiziert wurden. Unter anderen geheimen Künsten, galt Alchimie als wichtige Praxis bei der weit mehr versucht wurde als etwa nur äußerlich Blei in Gold zu verwandeln. Ein Ziel war es, im Menschen selbst eine Wandlung zu vollziehen, indem die bleiernen Schlacken der Unwissenheit in strahlendes Gold des vollendeten menschlichen Bewusstseins transformiert wurden. Manche Historiker vermuten, dass die ersten Rosenkreuzer die Alchimisten des frühen Mittelalters waren. Politische Parteien oder religiöse Vereinigung sind stets mit Ideologien verknüpft und an Dogmen gebunden, während die Rosenkreuzer Ideale zu verwirklichen suchen. Die Rosenkreuzer verbreiten ihre Lehren damit sie die Menschheit unterstützen um folgendes zu verwirklichen:

  • Universale geistige Entfaltung
  • Universale Gesundheit
  • Universale politische Freiheit
  • Universale religiöse Freiheit
  • Universale Erziehung
  • Universaler Wohlstand
  • Universaler Frieden

Um das angestrebte Ziel der Selbstverwirklichung zu erreichen, dienen dem Schüler die Studien der spirituellen Wissenschaften wie Astrologie, Gnosis, Meditation, Mystik, Symbolkunde, spirituelles Heilen, Kabbalah, Hermetik, Alchemie, Metaphysik, Archetypen des Tarot, antike Mysterien. Diese Wissenschaften schulen seinen Geist und bereiten ihn darauf vor die inneren Mysterien zu empfangen, welche initiatorisch und mündlich übermittelt werden. Die rituelle Einweihung oder Initiation ist die eigentliche Essenz der Rosenkreuzertradition. Nur ein legitimer Initiatenorden kann die ewigen Mysterien unverfälscht vermitteln. Ein Ritual ist ein formaler symbolischer Ablauf. Symbole sind das wahre Mysterium. Sie stellen eine Synthese dar, wo sich das Geistige und Materielle treffen. So wie ein Buch ein Träger einer ganzen Geschichte, einer geistigen Welt ist und eine CD ein Träger einer musikalischen Information, so ist ein Symbol genauso ein Träger einer immateriellen Information. Im Ritual treffen also Mikrokosmos und Makrokosmos zusammen. Jede Initiation markiert den Aufstieg des Schülers in eine höhere Bewusstseinserfahrung und den Übergang von einem Punkt der Polarität zur anderen. Initiation führt durch die Halle der Weisheit und legt den Schlüssel zu allen Informationen, systematisch, kosmisch und in abgestufter Reihenfolge in die Hände des Menschen. Sie führt zu einem erweiterten Bewusstsein von Gottes Plan für die Welt, eine zunehmende Fähigkeit, in diese Pläne einzusteigen und sie fortzuführen. Zentrale Symbole der Rosenkreuzer sind das goldene Kreuz und die rote Rose. In der Synthese aus goldenem Kreuz und roter Rose spiegelt sich der Gesamtcharakter der Rosenkreuzer wieder. Die Rose im Zentrum des Kreuzes ist ein Symbol der Liebe, denn sie war schon lange vor der christlichen Zeitrechnung die Blume der Venus. Das Kreuz wird in goldener Farbe dargestellt. Gold ist ein Symbol für die höchste spirituelle Kraft und ein Edelmetall der Könige und Hohepriester. In der Alchemie ist Gold die höchste Verfeinerung, die ein Metall erreichen kann. Die rote Rose ist eine Blume, die von persischen Alchemisten gezüchtet wurde. Sie ist auch ein Symbol der Wünsche und der Seele. So finden wir in diesem Symbol des Rosenkreuzes eine zeitlose Wahrheit.

Mittlerweile finden sich weltweit zwischen 100-200 unterschiedliche von einander unabhängige Vereinigungen, die den Namen Rosenkreuzer oder Rosenkreuz in ihrem Namen verwenden. Sowohl die Inhalte als auch die Grundwerte unterscheiden sich in den jeweiligen Organisationen. Manche berufen sich auf Ägypten oder gar Atlantis, doch sagt dies wenig darüber aus, ob ein Orden wirklich authentisch ist, denn so manche gute Verpackung möchte lediglich über den fehlenden Inhalt hinwegtäuschen. Die wenigsten dieser Organisationen haben einen echten Bezug zu den Werten der Rosenkreuzer. Achtsamkeit ist besonders gefragt, wenn eine Organisation Einweihungsrituale, Grade und Methoden mit der Post verschickt oder auf astralem Wege verspricht. Wahre Einweihung ist die persönliche Übertragung der initiatorischen Flamme und wird vom Adepten an den Schüler weitergegeben. Diese Übertragung der Bewusstseinserfahrung ist weit mehr als nur ein symbolischer ritueller Akt oder ein aufgezeichnetes Universalrezept, das jeder nach Gutdünken durch bestimmte rituelle Gesten oder Worte nachmachen könnte. Nur wenn ein Rosenkreuzer Orden mit den Ursprüngen der Tradition verbunden ist, stellt er eine lange kontinuierliche Reihe von Eingeweihten dar, die entlang eines gut ausgeschilderten Pfades zum inneren Schrein der Selbsterkenntnis reisen. Weder die hohe Mitgliederziel noch das Alter einer bestehenden Organisation oder eine historische Charta machen eine Organisation zu einem echten Rosenkreuzer Orden. Die inspirierende, stabilisierende Kraft, die durch eine authentische Mysterienschule vermittelt wird, kommt immer durch Eingeweihte der hohen Mysterien oder Adepten. Der Schulungsweg der meisten Rosenkreuzerorden ist zweifacher Natur, dem individuellen Studium zuhause und dem Ritual in der Gruppe. Die initiatorische Arbeit findet in rituellen Zusammenkünften statt.  Das Hauptziel der wahren Rosenkreuzer-Orden ist die Heilung. Unter Heilung verstehen die Rosenkreuzer weit mehr als nur die physische Gesundheit. Heilung beinhaltet genauso emotionale, mentale als auch spirituelle Ganzheit. Das allumfassende Heil kann nur durch die bewusste Verbindung mit der göttlichen Quelle des Lebens verwirklicht werden. Die Erkenntnis dieses Sachverhaltes ist der Ausgangspunkt auf dem Weg zum Erlangen des Heils. In manchen Geistesschulen bezeichnet man dies als die stete Verbindung zwischen dem höheren und dem niederen Selbst, die bewusste Einheit von Gott und Mensch oder als chymische Hochzeit. Die natürliche Konsequenz dieser Erfahrung ist die bewusste Erleuchtung und die geistige Wiedergeburt oder Auferstehung aus dem illusionären Sein in das wahre Leben des himmlischen Königreichs hier auf Erden.

Die Methoden des östlichen und des westlichen Pfads unterscheiden sich, da der westliche Mensch ganz andere Gegebenheiten vorfindet als der östliche. Die westliche Mysterientradition lehrt eine Wissenschaft über die Gesetzmäßigkeiten des Lebens, jene Gesetzmäßigkeiten des Universums, die das menschliche Leben kreuzen. Der westliche Schüler ist mit einem anderen Alltag konfrontiert als der östliche Schüler, der zumeist in einem von der Außenwelt abgeschiedenen Aschram in Askese und unter Aufsicht eines Gurus unterrichtet wird. Manche östlichen Methoden werden aus der Sicht der Rosenkreuzer als bedenklich betrachtet, sofern sie außerhalb dieser Klöster praktiziert werden. Familienleben, zwischenmenschliche Beziehungen, die Herausforderungen im Beruf und Alltag sind ein Übungsfeld, welches es zu meistern gilt. Das Leben selbst ist das Klassenzimmer des spirituellen Schülers. Die Rosenkreuzer empfehlen den "mittleren" Weg statt einer asketischen oder einseitigen Lebensweise. Sie sehen sich als Universitäten der spirituellen Schulung, statt einer Massenbewegung, wie dies in heutigen New-Age-Bewegungen zu finden ist. Ein Großteil des westlichen esoterischen Wissens ist heute genauso frei zugänglich wie vor Jahrhunderten, doch können nur vorbereitete Schüler diese Schlüssel für die Öffnung der spirituellen Tore verwenden - was an den symbolhaften Schriften der Alchemie und Kabbalah ersichtlich ist. Damals wie heute wird allen würdigen Menschen ungeachtet ihres Standes oder ihrer Klasse das Tor der heiligen Mysterien geöffnet, sofern der aufrechte und lernwillige Schüler bereit ist daran zu klopfen.